Auf dem roten Sofa
Dagmar + Manuel Nordus
 
Christoph Guhr
 
Zülfiye Elver
 
Abdulla Mehmud
 
Irina Geronime
 
Martin Mengel
 
Heimat und Flucht - Zeitzeugen berichten
 
Unter dem Titel »Heimat und Flucht – Gespräche auf dem roten Sofa« beginnt am Donnerstag, den 05.09. um 19.30 Uhr eine Veranstaltungsreihe im Hofcafé Palingen. In loser Folge berichten Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten. Sie erzählen von ihrer Heimat, den Gründen ihrer Flucht und was es bedeutet, eine neue Heimat zu finden.

Den Auftakt machen Dagmar und Manuel Nordus. Sie lebten in Jena (DDR), als sie Ende 1987 einen Ausreiseantrag zur Übersiedlung in die BRD stellten. Es dauerte bis Juni 1989, bis sie aus der DDR ausreisen konnten. Sie fassten erst in Westdeutschland Fuß und leben seit 2006 in Palingen.

Die Veranstaltungsreihe wird durch das Programm »Toleranz fördern – Kompetenz stärken« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Da aber auch Eigenmittel des Deel 28 e.V. eingebracht werden müssen, erheben wir einen Kostenbeitrag von zwei Euro, für Jugendliche ist der Eintritt frei.
 
 
Der Veranstaltungsauftakt ist gelungen. Rund 30 Gäste lauschten den Erzählungen von Dagmar und Manuel Nordus über ihre Heimaten und ihre Flucht.

Eindrücklich berichteten sie, wie sie sich nach und nach von der DDR entfremdeten, so sehr, dass sie sich dazu entschlossen, ihre vertraute Umgebung zu verlassen und einen Ausreiseantrag zu stellen. Sie erzählten vom bangen Warten auf die Genehmigung, von den Einschüchterungsversuchen staatlicher Organe und von Freude und Mühsal des Neuanfangs im Westen. Unter den Gästen waren weitere »Antragsteller«, die auf gleiche Weise die DDR verlassen konnten.
»Dass hier der Wind doller weht, habe ich anfangs sehr gemerkt. Inzwischen liebe ich diesen Wind« beschrieb Dagmar Nordus einen Aspekt des Heimatwechsels und Manuel Nordus fügt an »Die Menschen im Westen sind schon anders, nicht so offen. In der DDR war man schneller im Kontakt miteinander, in Jesteburg war das schon zäher.«
 

»Ich bin ein Grenzgänger im wahrsten Sinne«: In der Veranstaltungsreihe Heimat und Flucht berichtet Christoph Guhr von seinen Fluchten, aus Schlesien und aus der DDR. Er erzählt von Fluchthilfe und wie ihn das ins Zuchthaus Torgau und schließlich in die BRD brachte.
 

Rund 20 Gäste sind am 30.09. ins Hofcafé gekommen, um die Geschichte von Zülfiye Elver zu erzählen. 1961 gehörte sie zu den ersten Gastarbeitern, die nach Deutschland gekommen sind. »In Deutschland war alles sehr schön - ich war mit meinem Verlobten zusammen und endlich konnten wir heiraten«. Dass sie in der Türkei nicht heiraten konnten, war der auslösende Grund, Istanbul zu verlassen.
 
 
Abdulla Mehmud wurde 1960 im Irak geboren. Als Kurde setzte er sich gegen die Unterdrückung durch die Baath-Partei zur Wehr, auch mit der Waffe in der Hand. Als die Truppen Saddam Husseins 1988 Giftgas einsetzt, entscheidet sich der junge Familievater mit seiner Frau zu fliehen. Mit drei Kindern gelingt ihnen auf getrennten Wegen die Flucht über die Berge.
Sie gelangen in die Türkei und bleiben zwei Jahre. Weil sie auch dort nicht sicher sind, flieht Abdulla erneut. Er will nach Schweden. In Dänemark wird er gestellt, inhaftiert und nach Deutschland abgeschoben. Auf Umwegen kommt er nach Lübeck. Er bleibt politisch organisiert und ist für die Rechte von Flüchtlingen aktiv. 2006 wir Abdulla Mehmud für sein Engagement vom Flüchtlingsrat Schleswig Holstein mit dem »Leuchtturm des Nordens« geehrt.
 
Erzählte Lebensgeschichte auf dem Roten Sofa im Hofcafé. Irina Geronime, Jahrgang 1959, wurde in einem kleinen Dorf zwischen Novosibirsk und Kemerowo im Südwesten Sibiriens geboren. Im Dorf wird nur deutsch gesprochen, aber die Schläge der russischen Kinder lehren sie, schnell russisch zu lernen. Als Jugendliche erlebt Irina Geronime, wie aus der Sowjetunion Russland wird, 1996 gehen erst ihre Eltern, 2001 kommt sie selbst nach Deutschland, mit ihrem Mann und zwei Kindern.
 

Martin Mengel, geb. 1980 in Buenos Aires, kam 1999 um Musik zu studieren, kehrt nun zurück und zieht Bilanz. Mt einem Herkunftsmix europäischer Wanderungsbewegungen: väterlicherseits sind es deutsche Hugenotten, die auf den Balkan auswandern, im zweiten Weltkrieg nach Österreich vertrieben werden und nach Argentinien ziehen. Mütterlicherseits eine Herkunft aus Spanien und Russland, Sankt Petersburg, die sich nach dem ersten Weltkrieg auf den Weg nach Argentinien machen.
»Argentinien ist ein Einwanderungsland – wir sind uns alle unserer Herkunft bewusst und so bin ich Argentinier deutscher Herkunft,« beschreibt Martin Mengel sein Heimatgefühl. Nach Deutschland kam er, weil »in Südamerika die Menschen Deutschland idealisieren, es soll das Paradies sein«. Als er 1999 ankam, um Musik zu studieren, lernte er schnell, dass es auch hier kein Paradies gibt. Im Januar 2014 kehrt Martin Mengel nach Buenos Aires zurück.
 
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